Mit Seelevel in Togo

Über einen Artikel hörte ich zum ersten Mal vom Karlsruher Verein Seelevel. So entstand dann auch der Kontakt zu Marc, der mir von seiner Arbeit erzählte. Als dann nach kurzer Zeit feststand, dass er und zwei Freunde nach Togo reisen würden um verschiedene Projekte zu besuchen, stand die Frage im Raum, ob ich die Jungs nicht begleiten wolle. Einige Impfungen und Gespräche später, saß ich dann mit den Dreien im Flieger von Paris nach Lomé. Im Gepäck: Jede Menge Spenden aus Deutschland wie Fußbälle, Trikots, Fußballschuhe, Holzspielzeug und Hand- und Armschützer.

Krankenstation im Katanga-Slum

In nur 4 Tagen haben wir jede Menge gesehen, unfassbar viel erlebt und wahnsinnig intensive Momente mitbekommen. Unser erster Stop führte uns nach Katanga, einem Slum in der Nähe des Hafens. Behörden schätzen, dass dort um die 30.000 Menschen, darunter viele Fischer, leben unter den widrigsten Umständen. Dort gibt es eine kleine Krankenstation, wo ein staatlich geprüfter Pfleger (in Deutschland würde man vielleicht sagen: ein Allgemeinmediziner mit dreijähriger Ausbildung) und zwei Krankenschwester die notdürftigste Versorgung vornehmen. Es gibt kaum Medikamente, es gibt keine Betten, es gibt keine Instrumente. Die Schwangeren bringen ihre Kinder, wenn überhaupt in der Krankenstation, auf einem kalten Fliesentisch zur Welt - direkt daneben eine verdreckte Kloschüssel. Hier geht es nur ums Überleben. Wer eine schwere Krankheit bekommt, hat hier nur geringe Chancen wieder gesund zu werden.

Skateballer ohne Protektoren

Später an diesem Tag lernten wir Moumouni Abdul kennen, einen fünffachen Familienvater, der seit seiner frühen Kindheit gelähmt ist. Unter seine Handflächen klemmt er sich Flip-Flops um sich wenigstens ein bisschen vor dem Staub der dreckigen Gassen zu schützen. Auf den Knien kriecht er vorwärts. Längere Strecken legt er mit einem Handbike zurück - einem Dreirad aus Eisen, dass er mit einer Runderbewegung am Lenker antreibt. Zusammen mit anderen, die eine ähnliche Behinderung haben, spielt er regelmäßig Skateball. Auf kleinen Rollbrettern jagen die Sportler über einen Teerplatz und schlagen sich mit den Hängen einen Fußball zu - viele ohne Schützer für Hände, Knie oder Ellenbogen.


Fußballschuhe für Barfußkicker

Rasenplatz, vernünftige Kickschuhe? Bei vielen Straßenkickern in Lomé Fehlanzeige. Insgesamt haben wir vier Fußballgruppen besucht und Spenden, wie Schuhe, Trikots oder Bälle vorbeigebracht. Am Beeindruckensten war definitv das Spiel in einem Slum. Der Jubel der Zuschauer als dort ein Tor fiel, war einfach unfassbar schön und ansteckend. 

Das Waisenhaus von Mother Charity

Im Waisenhaus von Mother Charity leben derzeit 59 Kinder im Alter von einem bis 17 Jahren. Viele haben in ihrem kurzen Leben schon Einiges mitmachen müssen. Teilweise sind die Eltern gestorben, teilweise sind sie von ihren Familien ausgestoßen worden. Mother Charity kümmert sich seit mehr als 20 Jahren um die verlassenen Kinder. Bei ihr werden sie aufgenommen und wenn sie alt genug sind, können sie auch in die Schule gehen - was aufgrund der Gebühren nicht selbstverständlich ist. Doch ein richtiges Haus haben sie derzeit nicht. Bisher steht nur der Rohbau des ersten Stocks, aber das Geld fehlt um das Haus fertigzustellen. Die Kids schlafen derzeit in einem gemieteten Haus, wo es ebenso an allem fehlt - es gibt keine Matratzen, keine Betten - nicht das Notwendigste zum Leben. Ohne Spenden von außen ist es selbst schwierig genügend Essen für die Kleinen zu kaufen. Trotz der Umstände steckt in dem Projekt so viel positive Energie, so viel Lachen und Fröhlichkeit - unfassbar beeindruckend!

Fazit

Die Tage vergingen wie im Flug und erst zurück in Deutschland wird einem so richtig bewusst, wie viel Glück wir haben, dass wir hier geboren sind und nicht woanders auf der Welt - es ist eine Lotterie und selbst da, wo es an allem fehlt, ist so viel Lebensfreude da, dass man ziemlich demütig wird. Marc, Max und die anderen Mitstreiter von Seelevel wollen helfen, besonders das Waisenhaus ist etwas, wo sie sich mit ihrem Verein eine langfristige Unterstützung vorstellen können, beispielsweise beim Hausbau oder vielleicht auch mit Patenschaften für die Schulkids.

 

Mich hat die Arbeit der Jungs und die Erlebnisse vor Ort sehr beeindruckt und berührt. Die kleinen Probleme unseres Alltags sind eben doch nur relativ, wenn man weiß, dass es in vielen Ecken der Welt schon ein Erfolg ist wieder einen Tag erlebt oder "überlebt" zu haben.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0